I wouln’t be a liar..
>Verhohnepipeln<

~heute~ 13.01.2007

Man wird gemeinhin immer unsicherer, was die Erziehungsinhalte angeht, oder ja? Zudem steigt die Divergenz zwischen denen für das heutige Leben sinnvollen Handlungs- bzw. Denkweisen und jenen, die rein moralisch gesehen "richtig" sind. Bestes Beispiel:

Man soll nicht lügen. Verhohnepipeln, auf gut deutsch-gossen-slang: verarschen, zähle ich der Beweisführung wegen hinzu. Lügen ist vom rein moralischen Standpunkt aus verwerflich. Realitätsbezogen sollte man diesen Standpunkt jedoch des Öfteren verwerfen, Moral hin oder her; denken zumindest viele. Man hat es leichter, sagen andere.

Was mich zum Schmunzeln brachte ist folgende Geschichte vom vergangenen Mittwoch:

Mutter K. Mustermann kommt mit ihrem Sohn Thorben zum H-2-Atemtest. Zur Erläuterung vorweg: Ihr Sohn war in Begleitung ihres Ehemanns bereits in der Woche davor zur Vorstellung erschienen - der Test konnte jedoch nicht stattfinden, weil sich klein Thorben (und diese Information ist wichtig: er ist gerade drei geworden), vehement weigerte, die in 250 ml Wasser gelöste Lactose zu trinken. Auf die Frage, wie es nach Bestechung aussähe, versicherte mir der Vater, dass "Thorben leider unbestechlich sei." Moralisch gesehen... einwandfrei. Auch wenn das "leider" einen Nachgeschmack hinterließ.

 Nun sollte es also die Mutter richten. Da Thorben im Verlauf der vergangenen Woche anscheinend seinen Gefallen an der eigenen Korruption gefunden hatte, sollte der erneute Versuch Erfolg verheißen. "Nur mit Strohhalm trinken", brachte er in postulierender Form hervor. Die Mutter, ausgerüstet mit Geduld und eigenem Trinkbecher, nahm sodann den von mir beschafften Strohhalm entgegen und überließ ihn dem autonärrischen Thorben (ein Spielzeugauto war sein Preis). Der trank die ersten 50 ml... weigerte sich aber erneut und dies mit beachtlichem Engagement. Ich geb gern zu, dass es einer dieser elenden, tyrannischen Rotzblagen war, die einen schon nerven, wenn man sie nur sieht.

Als die Mutter ihn nun drängte, es gäbe kein Spielzeugauto, wenn er nicht tränke... nahm er den Strohhalm erneut in den Mund und... tja, was tat er da eigentlich? Er schluckte, aber die Lösung wurde nicht weniger. Da der Strohhalm durchsichtig war, konnte man folgendes deutlich erkennen: Der dreijährige Thorben war, bzw. hielt sich für so clever, dass er dachte, seine Schluckgeräusche würden darüber hinwegtäuschen, dass er die Lösung nur exakt bis kurz vor Ende des Strohhalms sog.

Mutter Mustermann, immernoch geduldig, wenn auch mit erhöhten Stresssymptomen ... wartete. Sprach ihm gut zu. Wurde dann aber doch unruhiger, meckerte und mahnte zur Eile. Gab vor mitzutrinken, merkte aber noch immer nicht, wer hier eigentlich mit wem spielte. Ich schmunzelte nur vor mich hin, ich hatt' ja Zeit.

Als es ihr nach 10 Minuten endlich aufging, fiel folgender Satz:

"Thorben ... UND FÜR'S VERARSCHEN GIBT'S ERST RECHT KEIN AUTO"

Während ich dachte: Also wenns überhaupt ein Auto gibt, dann doch nur dafür. Der junge Thorben war zwar noch kein Großer, aber er hatte in nur kürzester Zeit einige wichtige Grundprinzipien gelernt.

Dass er aufflog ... naja, mangelnde Übung, aber bei der Geschwindigkeit, in der er die Vorteile der Korruption und die Kunst des Verarschens (vor allem aber ihren Nutzen) erlernt hat, gebe ich ihm nur drei vier Jahre, bis er auch ein ganz Großer ist.

Weitere Zukunftsprognosen spreche ich nun allerdings nicht aus. Ich will nicht wieder flüstern müssen: "ich hab Euch gewarnt, ich hab Euch wirklich gewarnt."  Auf mich hört ja auch keiner. Gott, ich fühl mich schon wie Thorbens Mutter.

>faustus< 

 

13.1.07 03:07
 


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